Erdbeben in der Schweiz: Bund aktualisiert Vorsorge

Freitag, 28. Juli 2017

Der Bund hat seine Agenda aktualisiert, um Schritt für Schritt ein Risikomanagement für Erdbeben aufzubauen. In den kommenden vier Jahren lässt er ein nationales Risikomodell erarbeiten, er entwickelt die vorsorgliche Planung weiter und er möchte erdbebensichere Bauweisen durch verbesserte Zusammenarbeit weiter fördern. Aufgrund des gekürzten Budgets können einige der gesteckten Ziele jedoch nicht bis 2020 umgesetzt werden.  

Die Gefahr von Erdbeben ist in der Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern Europas mittel. Es bestehen regionale Unterschiede, das Wallis und Basel sind am stärksten gefährdet. Gebiete ganz ohne Gefahr gibt es hingegen nicht. Erdbeben, die grössere Schäden anrichten, sind hierzulande alle 50 bis150 Jahre zu erwarten.

Mit einem Massnahmenprogramm, das er alle vier Jahre aktualisiert, ist der Bund seit 2001 daran, auf Bundesebene ein umfassendes Risikomanagement zu erarbeiten. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat nun in einem Bericht über die weitere Planung informiert.  Unter anderem soll bis 2020 Folgendes erreicht werden:

  • ein Erdbebenrisikomodell für die Schweiz erstellen
  • die Grundlagen zur Gefährdungsabschätzung verbessern
  • das Inventar zur Erdbebensicherheit der wichtigsten Bundesbauten fertigstellen
  • Grundlagen für die Beurteilung von Finanzhilfen im Falle eines Erdbebens erstellen

Um die Zusammenarbeit auf Bundesebene zu fördern, betreibt der Bund eine Koordinationsstelle für Erdbebenvorsorge. Diese Stelle soll auch die Erdbebenvorsorge bei Kantonen und Verbänden fördern. Da das Parlament aber sparen will, streicht der Bund einen Teil der Gelder für die Koordinationsstelle, wie es in einer Mitteilung des BAFU heisst.

Hingegen unterstützt der Bund die Erarbeitung eines Erdbebenrisiko-Modells. Dieses soll nun unter Federführung des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) an der ETH Zürich erarbeitet werden. Das Modell schätzt die Erdbebengefährdung regelmässig ab, berücksichtigt den lokalen Untergrund sowie die Verletzbarkeit und den Wert von Gebäuden und Infrastrukturen. Das Modell wird als Grundlage für nationale und kantonale Risikoübersichten dienen und soll den Behörden erlauben, im Ereignisfall rasch abzuschätzen, welche Schäden zu erwarten sind.

Weiter erneuert der Bund die Geräte zum Messen aktueller Erdbeben und stellt das Inventar zur Erdbebensicherheit der wichtigen Bundesbauten fertig.

Zudem bereitet sich der Bund auch auf den Ereignisfall vor. Dafür überarbeitet er bis 2020 die nationale Vorsorgeplanung für Erdbeben und klärt ab, nach welchen Kriterien allfällige Sonderfinanzhilfen an die Kantone verteilt werden sollen.

Zum Beurteilen von Gebäuden nach Erdbeben hat der Bund bereits 2010 ein Handbuch veröffentlicht. Neu dazu kommen soll ein Konzept, das den Kantonen hilft, das Beurteilen von Gebäuden nach einem Erdbeben zu organisieren. 

Erdbebenrisikomanagement liegt in der Verantwortung der Kantone, der Infrastrukturbetreiber und der Eigentümer. Der Bund hat dabei keine gesetzgeberischen Kompetenzen. Er ist jedoch in seinem Einflussbereich zuständig für den Umgang mit dem Erdbebenrisiko.