Hitzewellen heizen Städte auf – Forscher erstellen Wärmekarte

Dienstag, 25. Juli 2017

Der Juni 2017 brach in der Schweiz etliche Wetterrekorde. Vor allem war der Monat, mit einer Hitzewelle zwischen dem 19. und 23. Juni, ausserordentlich heiss, der zweitheisseste Juni seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Städte heizen sich viel stärker auf als umliegende Regionen, ein Effekt, der als städtische Hitzeinseln bekannt ist. Um die Ursachen besser zu verstehen, haben Schweizer Wissenschaftler Modelle zur Vorhersage von Hitzeinseln entwickelt. Daraus ergab sich eine detaillierte Wärmekarte für Zürich.

Hitzewellen führen nicht nur zu Unwohlsein und schlaflosen Nächten, sondern auch zu hitzebedingten Todesfällen. Die Schweiz erlebte 2003 und 2015 – die Jahre mit den beiden heissesten Sommern seit über 150 Jahren – ausgeprägte Hitzewellen. Im vergangenen Juni 2017 folgte erneut eine Hitzewelle. Städtische Gebiete sind am stärksten betroffen, da sie einen Effekt aufweisen, der als städtische Hitzeinseln (engl. Urban Heat Island, UHI) bekannt ist. Gründe für städtische Hitzeinseln sind dunkle Oberflächen, z. B. von Dächern und Strassen, ein Mangel an Vegetation sowie wenig offener Raum zur Durchlüftung.

Wissenschaftler der EMPA und der ETH Zürich sind daran, den Effekt und Gegenmassnahmen zu erforschen. Sie haben nun Modelle zur Wettervorhersage mit den Auswirkungen von Gebäuden und Strassen auf die Bildung von Hitzeinseln kombiniert. Daraus ergab sich eine detaillierte Wärmekarte für Zürich, die zur Vorhersage lokaler Lufttemperaturen verwendet werden kann. Sie zeigt Details der Hitzeinsel mit einer Auflösung von bis zu 250 Metern, wie es in einer Bundesmitteilung heisst.

UHI-Effekte treten nachts am stärksten zutage. Denn nachts geben Baustoffe die Wärme ab, die sie tagsüber gespeichert haben. Eine Analyse der Nacht vom 21. auf den 22. Juni zeigte in Zürich besonders hohe Nachttemperaturen im dicht bebauten Stadtzentrum. Hingegen spürte man relativ kühlere Temperaturen in Gebieten in Seenähe, entlang der Limmat und an den Hängen des Züribergs, wo in der Nacht kühle Luft aus höheren Lagen herunterströmt.

Hitzewellen werden in Zukunft zunehmen, wie der Bund schreibt. Deshalb sind Strategien zu deren Abschwächung gesucht. Die Forschung will deshalb Hitzeinseln nicht nur besser verstehen, sondern auch Gegenmassnahmen entwickeln. Ansätze sind eine vermehrte Nutzung von städtischem Wasser bei Hitzewellen, vorübergehende Abkühlungsmassnahmen wie intelligente Beschattung oder Kühlsysteme unter Strassen und Gehwegen.

Solche Massnahmen gegen Hitzeinseln müssen mit den Massnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels kombiniert und langfristig umgesetzt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Dazu gehören auch raumplanerische Ansätze wie Freiräume, weniger Bodenversiegelung, mehr Beschattung und Begrünung und eine optimale Ausrichtung der Verkehrsachsen.

Der Bund verfolgt schon seit Längerem eine Strategie zur Anpassung an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels. Im Jahr 2012 verabschiedete er den ersten Teil seiner Strategie (Ziele und Grundsätze), am 9. April 2014 den Aktionsplan (vgl. unsere News).

Weitere Informationen zum Klimaschutz in der Schweiz.