Professur für Raumentwicklung der ETH Zürich organisiert sich neu

Donnerstag, 14. Juni 2018

Nachdem das Berufungsverfahren für die Nachfolge des emeritierenden Professors Bernd Scholl zu keinem Ergebnis führte, schlägt die ETH Zürich ein breit abgestütztes Angebot zur Sicherung der Forschung und Lehre in der Raumplanung vor. Eine Assistenzprofessur mit Tenure Track, eine Oberassistenzstelle und ein Executive-in-Residence sollen die Kontinuität und Qualität der Lehre und Forschung gewährleisten.

Die Professur für Raumentwicklung des Instituts für Raum- und Landschaftsentwicklung an der ETH Zürich konnte nicht auf Anhieb besetzt werden. Die ETH hat nun Schritte unternommen, um die Vakanz abzuwenden und die Kontinuität und Qualität der Forschung und der Lehre zu sichern. Adrienne Grêt-Regamey, Ordinaria des Instituts, setzte die Kantonsplaner und die Planungsverbände über die geplanten Schritte in Kenntnis.

Laut Grêt-Regamey soll das Berufungsverfahren für die Assistenzprofessur «selbstverständlich und mit der nötigen Sorgfalt» weiterlaufen. Parallel dazu schafft die ETH zwei zusätzliche Posten: Eine Oberassistenzstelle (50 Prozent) mit zwei Assistenten und eine Stelle für einen Executive-in-Residence (20 Prozent) mit einem Assistenten.

Die Assistenzprofessur mit Tenure Track wird im Herbst ausgeschrieben. Verläuft die Assistenzprofessur erfolgreich, besteht die Möglichkeit, sie nach fünf bis sechs Jahren in eine Vollprofessur umzuwandeln und den Satus quo wiederherzustellen. Die Oberassistenz beschäftigt sich parallel dazu vollumfänglich mit der Lehre und Forschung. Die Stelle wird von Dr. Markus Nollert besetzt, der ein eigenes Planungsbüro führt.

Daneben hat der Executive-in-Residence zur Aufgabe, die Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis zu stärken. Er wird einen Teil der Lehre sichern, nebenbei angewandte Forschung betreiben und die raumbezogenen Bachelor- und Masterstudiengänge weiterentwickeln. Für den Posten konnte die ETH Dr. Joris van Wezemael, den neuen Geschäftsführer des SIA, engagieren.

Neben diesen personellen Massnahmen wurde im vergangenen Jahr mit dem neu strukturierten Bachelor-Studiengang «Raumbezogene Ingenieurwissenschaften» eine Basis für die zukünftige raumplanerische Ausbildung an der ETH geschaffen. Das neue Studienreglement tritt in diesem Herbst in Kraft und bildet die Grundlage zur Ausbildung neuer Generationen von Raumplanerinnen und Raumplanern. Parallel dazu wird mittels einer weiteren Festanstellung das Angebot der etablierten und bewährten MAS-, DAS- und CAS-Programme in Raumplanung gesichert.

Die ETH ist überzeugt, dass das bisherige Lehrangebot dank den getroffenen Massnahmen uneingeschränkt und ohne Qualitätsverlust weitergeführt werden kann. Die Professur werde gestärkt und ihr «Erbe» weitergetragen.

Das gescheiterte Berufungsverfahren für die Nachfolge von Bernd Scholl hat in der Öffentlichkeit für Diskussionen gesorgt. Die Neue Zürcher Zeitung NZZ hat das Thema aufgegriffen und bei der Diskussion über die Zersiedelungsinitiative im Nationalrat (Geschäft 17.063) haben die Nationalräte Beat Flach (GLP) und Kurt Fluri (FDP) auf die für unser Land wichtige Ausbildung und Forschung in der Raumplanung hingewiesen.

Professor Bernd Scholl emeritiert diesen Sommer nach zwölf Jahren als Ordinarius für Raumentwicklung an der ETH Zürich (vgl. frühere News).