Stadtmenschen fahren weniger Kilometer, fliegen dafür mehr

Donnerstag, 12. April 2018

Das Bundesamt für Raumentwicklung ARE hat den Bericht «Dichte und Mobilitätsverhalten» herausgegeben. Er hilft zu verstehen, wie viele Kilometer Schweizerinnen und Schweizer abhängig von der Dichte am Wohnort zurücklegen und welche Verkehrsmittel sie dazu nutzen. Die Einwohner- und die Arbeitsplatzdichte in der Umgebung des Wohnorts identifizierte der Bericht als ausschlaggebend dafür, dass Menschen aus Städten und Agglomerationen pro Tag weniger Kilometer fahren als Menschen, die auf dem Land wohnen. Das gilt allerdings nur für die Kilometer innerhalb der Schweiz. Denn die Einwohner der am dichtesten besiedelten Gebiete fliegen dafür überdurchschnittlich viele Kilometer und übernachten mehr auswärts.

Dichte hat verschiedene Gesichter

Bereits der «Mikrozesus Mobilität und Verkehr 2015» liess erkennen, wie die Dichte die Verkehrsmittelwahl und die Tagesdistanzen der Schweizerinnen und Schweizer beeinflusst. Menschen aus Städten und Agglomerationen legen pro Tag kürzere Wege zurück und nutzen dafür mehr den öffentlichen Verkehr (öV) sowie den Fuss- und Veloverkehr (FVV) (vgl. unsere News) als Menschen auf dem Land. Der Bericht «Dichte und Mobilitätsverhalten» hat nun untersucht, welche Masseinheiten für Dichte – wie Bevölkerungs- und Beschäftigtendichte, öV- oder Carsharing Angebot etc. – verantwortlich sind für diese Unterschiede.

Dichtemass ist entscheidend

Wie die Untersuchungen im Bericht zeigen, ist die Bevölkerungs- und Beschäftigtendichte – also die Anzahl Einwohner und Arbeitsplätze in der Umgebung des Wohnorts – ausschlaggebend dafür, ob jemand zum Beispiel mit dem Auto, dem Zug oder zu Fuss zur Arbeit geht und wie viele Kilometer er oder sie dafür zurücklegt.

Für alle Verkehrszwecke im Inland legen Menschen, die an ihrem Wohnort eine hohe Bevölkerungs- und Beschäftigtendichte haben, kürzere Distanzen zurück als jene, die diese hohe Dichte am Wohnort nicht haben. Auch die autofreien Haushalte nehmen mit zunehmender Bevölkerungs- und Beschäftigtendichte zu, während Haushalte mit zwei oder mehr Autos abnehmen. Der Anteil der Haushalte mit einem Auto bleibt bis zu relativ hohen Dichten beinahe konstant und nimmt dann bei hohen Dichten ebenfalls ab. Zudem: Bei hohen Bevölkerungs- und Beschäftigtendichten haben weniger Leute einen Führerausweis.

Flugreisen verwischen Grenzen

Neben dem Alltagsverkehr ist in den letzten Jahren der Verkehr der Schweizer Bevölkerung im Ausland stark angestiegen. Im Gegensatz zum Inlandverkehr scheint der Verkehr im Ausland weit weniger vom Wohnumfeld beeinflusst zu sein, sondern ist viel stärker vom ökonomischen Umfeld sowie soziodemographischen Faktoren geprägt. Während die Tagesdistanzen pro Person im Inland mit zunehmender Bevölkerungs- und Beschäftigtendichte abnehmen, ist bei den Tagesdistanzen inkl. Ausland kein klarer Zusammenhang erkennbar. Die Anzahl und die Gesamtdistanz der Reisen mit Übernachtungen sind bei hohen Bevölkerungs- und Beschäftigtendichten höher als in tiefen Dichten. In dichten Gebieten werden die kürzesten Distanzen im Alltagsverkehr im Inland zurückgelegt und gleichzeitig häufiger und markant weitere Reisen mit Übernachtungen und insbesondere Flugreisen unternommen.